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12.2008
Warum gehören auffällig viele Hollywoodschauspieler der Church of Sciantology an, fragt Hannes Stein in der Welt vom 7. Juli. Seine Antwort: "Sie ist lediglich eine jener Formen, die die Gnosis im 20. Jahrhundert angenommen...
02.2008
Die offensichtliche Legende - was gut ist, verkauft sich nicht, und was sich gut verkauft, kann nicht gut sein - wird mal wieder bemüht, ohne mit dem Beispiel wirklich bewiesen zu sein. So rümpft die NZZ über den...
07.2007
Mit Live Earth hat sich Al Gore endgültig vom politischen Verlierer zur moralischen Autorität entwickelt, meint Isolde Charim im Standard vom 6. Juli. „Al Gores Triumph ist aber auch Zeichen dafür, dass Charitainment der Politik...
07.2007
Von "deutscher Verbotsgeilheit" schreibt Florian Henckel von Donnersmarck in seinem F.A.Z.-Artikel vom 3. Juli 2007:„Wie sehr hat sich Deutschland gewandelt hat in den letzten Jahrzehnten - und gleichzeitig wie wenig! Waren uns...
Die Zukunft des Journalismus kann nur in besserer Qualität liegen. Für exklusive Geschichten zahlt der Leser. Redaktionen auszudünnen, wie das da und dort geschieht um Kosten zu sparen, ist deshalb der falsche Weg. Dass Redaktionen jetzt eigene Rechercheteams bilden, eröffnet einen neuen Trend. Seit Juni gibts bei Stern ein Rechercheressort mit fünf gestandenen Journalisten. Zum 1. September zeihen die Welt-Gruppe mit sieben Mann und ddp nach. Auch Focus will eine Recherchetruppe gründen.
Interessant was David Schraven von der Waz erzählt. In den USA gibt es "Rechercheteams, die von Stiftungen getragen werden und ohne Zeitung im Hintergrund arbeiten. Journalisten sind dort damit immer weniger auf Verlage angewiesen." In Deutschland fehlen dazu leider die Strukturen und die Phantasie
Die offensichtliche Legende - was gut ist, verkauft sich nicht, und was sich gut verkauft, kann nicht gut sein - wird mal wieder bemüht, ohne mit dem Beispiel wirklich bewiesen zu sein. So rümpft die NZZ über den neuen Roman von Eric Emmanuel Schmitt die Nase und fügt hinzu: "Der Flachsinn dieses Werks überrascht, immerhin hat Schmitt 1997 eine packende philosophische Studie über Diderot vorgelegt, in der er der Frage nachgeht, weshalb Diderot daran scheiterte, eine verbindliche Moral vorzulegen, und einräumen musste, dass ein Ungeheuer wie Kaiser Nero durchaus glücklich sein mochte. Das Buch war natürlich kein kommerzieller Erfolg“ Der Beweis wäre erbracht, wenn sich die literarische Qualität der Bücher umgekehrt proportional zum Verkaufserfolg verhielte. Das ist aber bei nahezu keinem Autor der Fall.
Mit Live Earth hat sich Al Gore endgültig vom politischen Verlierer zur moralischen Autorität entwickelt, meint Isolde Charim im Standard vom 6. Juli. „Al Gores Triumph ist aber auch Zeichen dafür, dass Charitainment der Politik zunehmend den Rang abläuft.“
Rockkonzerte für die gute Sache haben mittlerweile das, was Rock 'n' Roll eigentlich nie haben wollte: Tradition. Nach Bob Geldofs Live Aid und Live 8 nun also Live Earth. Da die Dramaturgie der Superlative nach ständiger Steigerung verlangt, ist Live Earth noch weltweiter, noch benefiziger und vor allem noch bedeutsamer als seine Vorgänger - es will nicht nur Afrika, es will die ganze Welt retten. Al Gores Geschichte hat die Dramaturgie eines Hollywoodmärchens. Am Anfang war ein ungelenkes hässliches Entlein, das im Präsidentschafts-wahlkampf 2000 am hauchdünnen, stets angezweifelten Vorsprung von Bush scheiterte. Vorbedingung für die nächste Etappe war Al Gores Akzeptieren der Niederlage. Statt die Rolle des Märtyrers zu übernehmen und seinen "gestohlenen Sieg" zu beklagen, hat Al Gore sich zurückgezogen und in schöner US-Manier "hart an sich gearbeitet".
„Dort, in der "Abgeschiedenheit", die nicht so sehr eine räumliche, wie eine zeitliche war - eine Phase der Läuterung - fand er zurück zu seiner "Quelle", seinen ehemals unterdrückten Leidenschaften für den Klimaschutz. Damit sprengte er das Korsett der Realpolitik geradezu physisch. Schien er vorher vor allem von Zwängen bestimmt, so repräsentiert er in seinem nunmehrigen beachtlichen Körperumfang das Bekenntnis zu seiner wieder gefundenen Leidenschaft. Erst das Überwinden seines Scheiterns durch die Rückkehr zu seinen "wahren", inneren Kräften lässt ihn heute als strahlenden Helden erscheinen.
Um komplett zu sein, muss diese Geschichte noch um eine weitere Facette erweitert werden: den kontrapunktischen Gegenspieler. Heute ist es der ehemals flotte George W. Bush, der alt aussieht: Statt die Nation zu einen, hat er sie in das Irak-Desaster manövriert. Je mehr Bushs Stern sinkt, umso deutlicher erinnert Al Gore an das, was in den letzten sechs Jahren nicht hätte geschehen können. Er ist nicht Träger seiner Niederlage, sondern Symbol "für das, was hätte sein können", wie der New Yorker schrieb. „
Bot Bush eine Politik als Armageddon, als Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse im Militärischen an, so ist Gores Inszenierung spiritueller: Er verzichtet größtenteils auf das Urbild des „absolut Bösen“ in Form von klimakillenden Großkonzernen, Milliardären und Ferrarifahrern (zu den Reichen gehört Gore ja selber), die sich als wunderbar entlastende Sündenböcke eignen und setzt dafür auf die frohe Botschaft des uramerikanischen „Just do it“ mit geschickt davor gespannter Schuld, Bewusstwerdung/ Läuterung und Wiedergutmachung. Charim: „Der Klimaschutz ist hierfür besonders passend, bietet er doch den Vorteil, jeden Einzelnen auf dreifache Weise anzurufen: als tätiges Subjekt, denn "es gibt Dinge, die jeder tun kann", als von der drohenden selbst verschuldeten Apokalypse moralisch bewegtes Individuum und als Publikum, das das Spektakel konsumiert. Ein Spektakel mit moralischem Mehrwert, bei dem Politik in ein Woodstock-Gefühl eingeschrieben wird: Es bietet die Weltverbesserung gleichzeitig als unmittelbaren Vollzug eines Coming-together und als Versprechen für die Zukunft.“
Warum gehören auffällig viele Hollywoodschauspieler der Church of Sciantology an, fragt Hannes Stein in der Welt vom 7. Juli. Seine Antwort: "Sie ist lediglich eine jener Formen, die die Gnosis im 20. Jahrhundert angenommen hat. Sie klingt wie Platon auf LSD: Danach zwang früher ein böser Außerirdischer Menschen in Kinosäle und ließ sie Filme über den Teufel ansehen - und bis heute geistern diese arme Seelen in uns herum. Filmschauspieler können demnach zu Rettern werden..." Vor 75 Millionen Jahren unterwarf ein böser außerirdischer Herrscher Milliarden von Menschen (mithilfe von Psychiatern) und verschleppte sie an Bord von Raumschiffen (die wie DC8-Flugzeuge aussahen) auf die Erde und jagte sie dann mit Wasserstoffbomben in die Luft. Den entkörperten Seelen der Unglücklichen wurde in Riesenkinos ein falsches Bewusstsein implantiert. Die Filme handelten von Gott, dem Teufel, Jesus usw. Der Böse wurde letztlich von den Guten besiegt, aber die armen verwirrten Seelen geistern bis auf den heutigen Tag in unseren Körpern herum. Um unser volles Potenzial zu verwirklichen, müssen wir uns von ihnen reinigen, ein Prozess, der „Clearing“ heißt. Stein: "Der perfide außerirdische Herrscher ist kein anderer als der Demiurg, der nach gnostischer Doktrin die materielle Welt geschaffen hat... Die Geschichte von den Seelen in den Kinosälen – klingt sie nicht nach einem Platon, der LSD geschluckt hat...? Und am Ende steht, wie in der Gnosis üblich, die Selbstvergottung des Menschen." Für Hollywoodschauspieler extrem schmeichelhaft dürfte ihre überragende Bedeutung sein... "Das „Clearing“ dürfen wir uns als einen Prozess vorstellen, der – analog dem Immer-wieder-Drehen einer Szene – so lange wiederholt wird, bis alle „schädlichen“ Einflüsse beseitigt sind. Endlich mutiert man zum „Operierenden Thetan“; man wird ein Gottmensch. Dass Filmschauspieler dafür von Berufs wegen besonders kompetent seien, leuchtet ihnen selber natürlich unmittelbar ein."
Die Gnosis liefert die Antwort auf die elementare Frage: Woher kommt das Böse
Etwa zeitgleich mit dem Christentum formierte sich in der antiken Welt, basierend auf viel älteren ägyptischen ( Echnaton), orientalisch-persischen (Zoraster/Mani), indischen (Atman/Brahman) jüdischen (Apokalyptik) und griechischen (Platon/Stoa), Heilslehren, eine manichäische Antwort: Es gibt zwei Reiche: Das Reich der Finsternis und das Reich des Lichtes. In der gnostischen Kosmogonie greift nun das Böse das Gute an, es kommt zur Vermischung der Welten, zu einem Endkampf. Die Seele des Menschen spielt dabei die entscheidende Rolle: Sie ist, eingekerkert im „schlechten“ Körper, der nach „niederen“ Genüssen strebt, wie betäubt und hat ihre göttliche Herkunft vergessen. Aber sie kann erweckt werden – etwa durch einen Erlöser, der den Menschen über seinen göttlichen Lichtkern aufklärt und so zur wahren Erkenntnis, griechisch "Gnosis", führt.
Eine andere Welt ist möglich, heißt sie nun Paradies, klassenlose Gesellschaft, Atlantis,
Ein Grundgedanke der Gnosis ist, dass die gegenwärtige Welt sich in einem apokalypischen Übergangszustand befindet und dass ein Retter sie von dem Bösen reinigen wird, wobei jeder einzelne sich entscheiden muss zwischen Gut und Böse
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