StartseiteVitaDer AutorDer JournalistP+K-KolumneCicero-RankingINSMKontaktImpressum

>> Home 

21.12.2012 Die 500 wichtigsten Intellektuellen

Wer hat den größten geistigen Einfluss auf die Deutschen? Wer wird am meisten zitiert? Wer wird gehört? Zum dritten Mal präsentiert das Magazin Cicero eine Rangliste der deutschsprachigen Intellektuellen. Viele alte Bekannte gehören dazu und einige überraschende Neueinsteiger. Günter Grass hat es wieder auf Platz eins geschafft, nachdem ihn 2007 Joseph Ratzinger ("unser Papst") abgelöst hatte. Alice Schwarzer schiebt sich als erste Frau im Ranking auf Platz 4. Überraschend der Durchmarsch von Margot Käßmann auf Platz 26. Aber der Frauenanteil hat sich mit 13 Prozent keinen Deut seit 2007 verändert, als das 500er Ranking zum letzten Mal erschien. (Ein Frauen-Ranking erschien 2008 und ein Vordenker Ranking 2009). Nichts ist gut im geistigen Deutschland, wenn die grauen männlichen Alphatiere die intellektuellen Gipfel beherrschen. Denn auch an der Überalterung hat sich nichts geändert: Das Durchschnittsalter ist 66 Jahre - und das, obwohl über ein Viertel Neueinsteiger zu verbuchen ist. Man sieht es an den Top 10 - der Jüngste, Frank Schirrmacher, ist 53, die Top 3 alle über 70.

Ich habe die Liste erstellt. Die Methodik steht im Heft, bzw. auch hier. Gibt es einen geistigen Trend, der sich aus den Veränderungen erschließt? Ja, es ist die Rückkehr der Warner und Mahner, nachdem die Optimisten 2007 kleinere Terraingewinne verzeichnen konnten. Mit Günter Grass als Vorsänger ist das Beschwören des Untergangs die Lieblingsbotschaft unserer Intellektuellen (passt zum Maya-Kalender, hat damit aber leider nichts zu tun, denn Maya ist ein vorübergehender Hype, die Endzeitbeschwörung leider nicht): Bei Grass ist es der drohende Atomkrieg, bei Habermas Europas „Abschied von der Weltgeschichte“. Frank Schirrmacher sorgt sich vor dem digitalen Kontrollverlust über unser Denken und Hans Werner Sinn sieht unsere Sparguthaben im Euro-Strudel dahinschwinden. Günter Wallraff warnt wie immer vor Dumpinglöhnen, zuletzt bei Lidl, und Rolf Hochhut meldete sich kürzlich mit der Erkenntnis, dass die Qualität der Berliner Kaffeehäuser furchtbar nachgelassen habe. So ist für jeden etwas dabei. Gemessen am Krisentremolo der Intellektuellen macht die Bevölkerung noch einen recht zuversichtlichen Eindruck. Also möchte ich vor den Warnern warnen: Wenn es so weiter geht, erlebt Deutschland vielleicht eine self fulfilling prophecy im Großformat.

Die Medien berichteten umfangreich, etwa 3sat Kulturzeit sowie hier (RP online) und hier (Heise) und hier (Emma) und hier (Österreich) und hier (Schweiz).