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24.06.2013 Siempre la Siesta

Auf wenig Verständnis für seinen Aufruf zur Rettung der südländischen Lebensart vor einem Europa unter deutscher Hegemonie stieß der italienische Philosoph Georgio Agamben im deutschen Feuilleton (zur Debatte hier). Dass die Bedrohung („wie ein Deutscher zu leben“) gar nicht absurd, sondern sehr konkret ist, zeige ich in meinem Essay „Siempre la Siesta“ im neuen Spiegel. Die Spanier mussten ihre Siesta aufgeben, damit sie länger für Schuldenabbau und Wachstum arbeiten. Seit Jahrhunderten führt der „puritanische Kapitalismus“  einen Feldzug gegen den Schlaf, die Muße und das gute Leben. Zeit ist Geld. Ein Bedürfnis nach Zeit, nach Schlaf, nach Nichtstun darf es nicht geben, nur ein Bedürfnis nach Nutzenoptimierung.

Wie sehr die Vorstellung dominiert, dass sich die „protestantische Arbeitsmoral“ auch im katholischen Südeuropa (und global) durchsetzen soll, zeigt auch der Leader im neuen Economist (Titel: The reluctant hegemon). Gemeint ist Deutschland, das sich laut Economist vor allem deshalb weigert, Europa zu führen, weil die „laziness of southern Europaeans“ der eigentliche Grund der Krise sei. Die sollten doch endlich mal „as productive as Germans“ sein: „The solution, on this view, is for the rest of Europe to become as hard working and fiscally prudent as Germany.“ Mich wundert es nicht, dass die Betroffenen angesichts dieser Aussichten nicht in Begeisterung ausbrechen.