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11.11.2012 Betreuungsgeld und Kinder

Das Betreuungsgeld will Steinbrück als erstes nach seinem Wahlsieg abschaffen. Ich würde mich wundern, wenn es tatsächlich so kommt. Denn im Sozialstaat werden Leistungen selten abgeschafft. Und ab 1. August 2013 beziehen Eltern 100 Euro mtl. für jedes Kleinkind, das nicht in eine Kita geht. Wäre die Koalition klüger, würde sie das Geld ab sofort auszahlen, umso mehr Betroffene hätten dann Angst vor Steinbrück.

Bei den deutschen familienpolitischen Ideologiedebatten fällt nicht nur auf wie verbissen sie geführt werden, sondern dass die Perspektive der Kinder überhaupt keine Rolle spielt. Steinbrück argumentiert wie ein Investmentbanker, der „in Menschen nur ökonomische Verfügungsmasse“ sieht, wie ihm ein CDU-Abgeordneter vorhielt. Die Erwerbstätigkeit von Frauen sei „auf das Niveau skandinavischer Gesellschaften zu erhöhen“, so Steinbrück, schließlich müsse die Fachkräftelücke geschlossen werden. „Gesellschaftlicher Fortschritt bemesse sich daran, „ob Frauen eine eigene berufliche Biografie schreiben.“ Kleinkinder sollen in die Kita, weil sie da (angeblich) mehr Bildungschancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Eltern (vor allem Mütter) haben jahrtausendelang ihre Kinder erzogen, aber eine heutige Kita scheint der Gipfel der Menschheitsentwicklung zu sein. Von der Erkenntnis, „dass die Familie systemrelevant ist“, sind Wirtschaft und Politik noch weit entfernt.

PS. Kurios ist sicherlich, dass der Staat eine Leistung dafür zahlt, dass eine andere staatliche Leistung nicht angenommen wird. Andererseits gibt’s das ähnlich bei Privatversicherungen, die Beiträge rückerstatten, weil man die Leistung nicht in Anspruch nahm.