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13.10.2012 Sprache und Feminismus

An Alice Schwarzer haben sich schon viele abgearbeitet. In meinem "Denker"-Buch beschreibe ich sie als "feministische Galionsfigur" mit einem ausgeprägten Machtinstinkt. Dass sie die Frauenbewegung immer noch thematisch dominiert, wirft ihr jetzt Miriam Gebhardt vor. Schwarzer ginge es unverdrossen um Abtreibungsverbot, Vergewaltigung, Pornografie, Lesbendiskriminierung und das Kopftuch, weshalb die Frauenbewegung "unterwegs die Frauen verloren hat". Da ist was dran. Themen wie der Schönheitswahn oder das aus der Balance gekommene Körperempfinden vieler junger Frauen spielen im Feminismus wenig Rolle, weil sich das mit der alten Patriarchatstheorie nicht mehr erklären lasse.

Bei der Lektüre von Hans-Martin Gaugers "Das Feuchte und das Schmutzige" wurde mir klar, dass die Frauenbewegung in Deutschland einen Sprachtrend verschlafen hat, der doch um einiges bedeutsamer ist als die ziemlich lächerliche Innen Debatte (Obdachlose und ObdachlosInnen): Wenn Angelsachsen oder Russen fluchen, wird es sexuell. Die Deutschen schimpfen, beleidigen oder fluchen fäkalisch, Freud würde sagen: anal. Es steht gleichsam "Fuck" gegen "Scheiße". Gauger sagt, dass das Deutsche weniger frauenfeindlich ist, denn die Beleidigungen erfolgen geschlechtsneutral. "Sexuelle Ausdrücke jedoch werten fast immer das Weibliche ab." Durch das Amerikanische hält jedoch die Fuck Terminologie im Deutschen Einzug und damit die Frauenverachtung, völlig unbemerkt von der Frauenbewegung und völlig ohne Widerstand.