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28.03.2011 Apokalypse jetzt! Wir Deutschen sollten uns schämen

"Hysterie, Unprofessionalität und vor allem Gefühl- und Taktlosigkeit bis zum Zynismus: das war das ganz besondere Markenzeichen der deutschen Reaktion (auf Japan). Und zwar nicht nur der Medien. Die deutsche Haltung zu Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe war eine Aneinanderreihung von peinlichen Desastern." So lautet die Anklage von Reinhard Zöllner in der "Welt". Die Deutschen, rhetorisch gern weltumarmend humanitär, ließen die Japaner, als es drauf ankam, im Stich und machten auf Apokalypse. Das können sie am besten und so dient das Unglück vor allem der eigenen Erbauung und der Angstlust: Während die Lufthansa den Flugverkehr einstellte und das THW schnell vor der Strahlung umkehrte, flog die Air France weiter und halfen koreanische Hilfskräfte vor Ort. Für die deutschen Medien hat in Japan eigentlich kein Erdbeben/Tsunami mit Tausenden Toten stattgefunden, sondern ein Reaktorunfall, wie beispielhaft die Überschriften der Süddeutschen Zeitung zeigen.

Nimmt man die Reaktion der übrigen Welt zum Maßstab, befindet sich Deutschland auf einer Skala von „unaufgeregt“ bis „hysterisch“ nahe an dem Punkt, den man international als „German Angst“ bezeichnet. Deutsche Angstlust-Bekenner sind gerade darauf sehr stolz: „Die German Angst mag ein lächerliches Gefühl sein, doch selten war sie nützlicher als heute“, meint etwa der Publizist Arno Widmann. Das Atom sei „ die radikalste Form des Bösen in uns“, und niemand anders als die Deutschen haben das so fundamental erkannt. Der Angst-Deutsche kann sich in seinem Eifer wieder als auserwählt betrachten, als Vorbild, das der Welt in der Umkehr vorangeht. Er schüttelt über die Japaner den Kopf und merkt nicht, dass alle anderen Völker über ihn den Kopf schütteln.