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16.09.2012 Endlich das große Gesellschaftspanorama?

Rainald Goetz rechnet in seinem Roman "Johann Holtrop" mit der "Gier" und Kälte der marktradikalisierten Gesellschaft ab. Der Bösewicht im Stück ist Thomas Middelhoff nachgebildet. Keine schlechte Idee. Das meint auch Zeit-Rezensentin Iris Radisch, doch ihr Urteil fällt gemischt aus, ob Goetz der große Gesellschaftroman der Gegenwart tatsächlich gelungen ist. Zu wenige versuchen es, meint Radisch, die deutsche Literatur, "(pflegt) üblicherweise eine eskapistische Vorliebe für ideosynkrastische Sonderlinge, in denen die Autoren sich selbst wiedererkennen." Gut beobachtet. Und gut zu beobachten an Clemens Setz "Indigo", der in der "Welt" so besprochen wird: "Ein Spiel mit allerhand Abgründen also, die jedoch nicht richtig ausgelotet werden. Da verliert man auf halber Strecke das Interesse. Also ein Buch für die Setz-Gemeinde. Für die übrigen Leser zeigt es einen virtuosen Rätselbastler auf düster abschüssiger Bahn." Deutsche Literatur, romanisch, selbstverliebt, artifiziell, besonders, sonderbar. 

Klar, dass er auf der Shortlist des "Deutschen Buchpreis" steht - ich tippe mal: und ihn gewinnt, - während Goetz auf der Liste fehlt. Zu recht jammert Tilman Krause: "Endlich hat einmal jemand den Mut, einen wirklich bedrängenden Stoff der Gegenwart – Gier und Wahn im Turbokapitalismus – zu einer packenden Niedergangssaga zu verarbeiten..." Das wäre dann irgendwie zu konkret.